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  • Sabine Fehrenbach

5 vor 12 ... oder warum man Verhaltensauffälligkeiten ernst nehmen sollte...

Aktualisiert: Jan 3


Oktober 2020 ...


Heute wird der Blog ganz persönlich ( das ist er eigentlich immer ..) aber heute noch ein wenig mehr.. Mein Hund ist in der Tierklinik und erholt sich von seiner Notfall OP, die nach einer Pyometra erfolgen musste.

Aber von vorne : Ich hatte bis gestern eine intakte Hündin - ganz bewusst, da ich dem Gedanken sehr nahe stehe, dass Läufigkeiten und hormonelle Veränderungen ein natürlicher Vorgang sind und zum Erwachsenwerden eines Hundes dazu gehören. Und wie das nun mal ist - was im Körper verbleibt, kann krank werden, kann sich tumorös verändern.

Das sieht beim Menschen ganz ähnlich aus. Die Statistik besagt, dass jede vierte Hündin unter 10 Jahren an einer Pyometra erkranken wird. Wir waren demzufolge Nr. 4.


Was ist das ? Eine Pyometra?


Nun, während der Läufigkeit der Hündin öffnet sich der Gebärmutterhals, die Cervix, was einen Zugang zum Innereren der Gebärmutter ermöglicht.

Bakterien können aufsteigen und sich in dem feuchtwarmen Milieu vermehren, Toxine bilden, die den ganzen Körper überschwemmen und in letzter Instanz zu einer tödlichen Sepsis führen. Es handelt sich also um einen lebensbedrohlichen Zustand!

Und es kann jede Hündin treffen.

Das Glück für meine Luna war, dass ich sehr sensibel auf Verhalten achte ( das bringt der Job so mit sich) und mittlerweile ein sehr feines Gespür dafür habe, ob die Hunde Training brauchen oder krank sind.


Bei der Pyometra unterscheidet man zwischen einer offenen Form, in der der Eiter abfließt und einer geschlossenen Form, in der der Muttermund geschlossen ist.

Vermehrtes Trinken kann ein Symptom sein, aber auch Erbrechen, Durchfall, Fieber und Bauchschmerzen werden beobachtet.

Bei meiner Hündin ist mir zunächst gar nichts aufgefallen - alles schien wie immer.

Sie zeigte keines der Symptome.

Was aber auffällig war, war ihr Verhalten : Sie war wesentlich ruhiger als sonst, schien aber dennoch schlecht zur Ruhe zu kommen. Abends lief sie länger im Raum umher, um sich dann auf einem ihrer Schlafplätze abzulegen.

Gefressen hat sie völlig normal.

Obwohl die Temperaturen im Herbst nicht hoch waren, hechelte sie ständig, was ein erstes Indiz war, dass es ihr nicht gut ging.

Sie verhielt sich "komisch"...

Es war eigentlich das Gefühl, welches sagte : da stimmt etwas nicht!

Es waren diese kleinen, subtilen Veränderungen im Verhalten, die mir sagten : geh zum Tierarzt mit ihr.

Die Diagnose war dann auch nicht überraschend und noch am Nachmittag wurde sie operiert. Gott sei Dank ging alles gut!

Es war tatsächlich 5 vor 12 gewesen...


Warum ich das alles aufschreibe?


So oft bekomme ich Hunde auf Grund von Verhaltensauffälligkeiten vorgestellt : Aggression gegenüber Menschen und Artgenossen, reaktives Verhalten, Probleme mit der Leinenführigkeit ... die Liste ist lang und beginnt oft schon im Welpenalter.

Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass ein Krankheitsbild schon beim Welpen manifest sein kann.

Sie sind der Überzeugung, ein junger Hund ist nicht krank - die Auffälligkeiten im Verhalten sind Erziehungsfehler. Man wechselt die Hundeschule, den Trainer. Schlägt eine "härtere" Gangart ein...


Tatsächlich hat sich, bedauerlicherweise, im Alltag aber gezeigt, dass bis auf wenige Ausnahmen, sämtliche Schwierigkeiten krankheitsbedingt waren.

Von Krebs, Soffwechselerkrankungen, Parasiten, Allergien, bis zur chronisch entzündeten Bauchspeicheldrüse, war alles dabei.


Beispiele ?


Ein Hund, der sein Trockenfutter nicht fressen wollte, wurde von einem Trainer "therapiert".

Er unterstellte Mäkeligkeit und verordnete striktes Aushungern, da der Hund seine "Dominanz" am Futter zeigen wolle....

Tage später stellt der Tierarzt eine massive Entzündung und Fraktur eines Zahnes fest.

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Einer unserer Welpen in einem Kurs, wollte sich parout nicht absetzen. Egal was für eine Leckerei man ihm vors Schnäutzchen hielt, er setzte sich nicht ab.

" drück ihn auf den Hintern " ... "zieh ihn an der Leine nach oben " " der muss lernen, wer im "Rudel" das Sagen hat.." - das waren die Ratschläge, mit denen die Halter konfrontiert wurden.

Der Empfehlung von uns, einen Tierarzt aufzusuchen, kamen die Halter wenig später nach. Die Diagnose war niederschmetternd : beide Hüften waren so deformiert, dass das Tierchen nur Tage später erlöst werden musste...

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Reaktive Hunde - unfähig sich zu konzentrieren, unfähig ruhig an der Leine zu laufen, unfähig Signale zu befolgen ... auf der anderen Seite Menschen mit blauen Flecken, zerkratzten Unterarmen und zerstörten Möbeln.

Trainingsfehler, Fehler in der Erziehung ?


Nur ganz selten spielte der Umstand Training eine wirkliche Rolle und wenn, dann haperte es an der Kommunikation und dem Stress, der daraus resultierte.

Es war NIE! die Frage von Rang und Rangreduktion oder einer missverstandenen Rudelposition...

Bei allen Fällen ( gut - unsere Beobachtungen sind nicht repräsenativ ) gab es gesundheitliche Beeinträchtigungen .. mal schlimmer? mal weniger schlimm...

Aber mal ehrlich : wer kann abschätzen, was "schlimm" ist?

Ein Hund kann nur über sein Verhalten zeigen, wie es ihm geht. Und wir sollten sensibel auf die leisen Signale reagieren.

Ein ausführlicher Anamnesebogen gehört dazu. Nur so lässt sich eine wirkliche Diagnose stellen, nur so lassen sich Dinge ausschließen. Und bestehen irgendwelche Zweifel, sollte der Hund tierärztlich durchgecheckt werden - und zwar gründlich!










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