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  • Sabine Fehrenbach

Spiel unter Hunden 2.0

Verfolgt man einige Diskussionen unter Trainern, könnte man meinen, es gibt nichts Schlimmeres unter der Sonne, als wenn Hunde miteinander spielen.

Zu große Gefahren lauern überall, zu groß scheint das Risiko, dass Fehlverknüpfungen entstehen... Es könnte in der Tat ja mal vorkommen, dass sich ein Hetzspiel entwickelt, auf Grund dessen es zu lebenslangen Problemen im Jagdverhalten kommt. Ein agonistischer Austausch, der zu traumatischen Erfahrungen führt, die in einer ausgewachsenen Artgenossenaggression münden ...?

Tatsache ist, dass es unzählige Hunde gibt, die in schlecht geführten Welpengruppen, problematische Verhaltensweisen gelernt haben, bzw. mit den dort gemachten Erfahrungen lebenslang ihre Schwierigkeiten haben.


Aber deswegen lässt man die Hunde gar nicht mehr spielen? Und wenn, dann nur unter ausgewählten, hermetisch abgesicherten Bedingungen? Fällt von einem Extrem ins nächste?


Welpen, von Helikoptereltern begleitet, die jahrelang nicht von der Leine kommen aus Angst, sie könnten in Hundebegegnungen unter die Räder geraten? Trainer, die bei aggressiv agierenden Hunden mit Futter um sich werfen?

Im normalen Leben begegnen sich Welpen, Junghunde, Senioren auf dem Waldweg, auf Wiesen und in der Stadt - ohne vorherigen, gemeinsamen Stuhlkreis und Rudelkuscheln in einer eingezäunter Sicherheitszone. Sie begegnen sich während Spaziergängen, im Freilauf, an der Leine, mal freundlich, mal auf Abstand bedacht, mal nett, mal weniger.

Ich bin seit Jahren und mit vollster Überzeugung gewaltfreier Trainer, arbeite durchaus erfolgreich auch mit massiv aggressiven Hunden, aber bei manchen Ansätzen kommt mir vor lauter Schwarzweißmalerei das kalte Grausen.

Irgendwo scheint ein “normales” Aufeinandertreffen von Hunden völlig aus dem Ruder zu laufen.

Zwischen dem Extrem von reinen Spielgruppen, in denen wahllos Hunde zusammen gesperrt werden, um sie gegenseitig zu "sozialisieren", während die Menschen rauchend und Kaffee schlürfend, drum rum stehen und - dem anderen Extrem alles regulieren zu wollen und bei der kleinsten Auseinandersetzung mit der Leberwursttube dazwischen zu gehen... Was steht da dazwischen?

Genau - der Alltag!

Viele Hundehalter, sind unsicher, wo? sie wann?, wie? eingreifen müssen. Sie können schlecht einschätzen, wann eine Situation zu eskalieren droht, wann sie ein "Spiel" abbrechen sollten. Sie haben wenig bis gar keine Erfahrung damit, wie Hunde kommunizieren, Bewältigungsstrategien entwickeln und ja - sich auch mit aggressiven Elementen untereinander verständigen, ohne dass die Welt zusammenbricht.

Ja woher auch?

Sie trainieren ja in einem Paralleluniversum, in einer rosaroten Blase, die der Wirklichkeit nicht standhält.

Hier muss Hundetraining doch ansetzen: den Alltag bewältigen können. Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal solche Sätze schreiben würde, aber ich denke ehrlich, dass manche Ansätze komplett an der Wirklichkeit vorbeigehen und man den Welpen/ Hunden und ihren Menschen keinen Gefallen damit tut.

Spiel unter Hunden ist etwas Schönes, etwas Normales und etwas essentiell Wichtiges und zwar unter Welpen, unter Junghunden, unter erwachsenen Hunden - selbst Seniorenhunde haben Freude am Spiel.

Man muss es gut begleiten, genau beobachten und rechtzeitig sinnvoll beenden.

Paarungen sollte man individuell zusammenstellen und manchmal auch den Mut haben, seinem Bauchgefühl zu vertrauen: Es gibt tatsächlich viele Situationen, in denen Hunde einen sehr guten und verträglichen Weg finden, mit Konflikten umzugehen, bzw. sie zu lösen - vorausgesetzt man lässt sie.

Selbstwirksamkeit kommt ironischerweise erst dann in den Trainingsalltag, wenn es bereits Probleme mit Artgenossen gibt.

Es gilt aber genau hier, Hunden im Erlernen einer feinen Körpersprache zu unterstützen und sie in ihrer Kommunikation zu stärken .

Auch die vielfältige Bedeutung des Spiels wird oft wenig bedacht, dabei gibt es zu unterschiedlichen Aspekten wissenschaftliche Untersuchungen. Jaak Panksepp beschreibt Spielverhalten, als eines der wichtigsten Verhalten, Freude zu erleben. Spiel ist für die Entwicklung eines Lebewesens essentiell - fehlt Spiel in der Entwicklung, kommt es zu sozialen, aber auch kognitiven Beeinträchtigungen.

Wormald geht in seinen Studienergebnissen noch einen Schritt weiter: unzureichender Sozialkontakt in den ersten acht Wochen im neuen Zuhause kann zu einer deutlichen Steigerung des innerartlichen Aggressionsverhaltens bei adoleszenten und adulten Hunden führen (Wormald et al., 2016).

Spiel sorgt für eine bessere Regulation der Emotionen - soziale Verhaltensweisen, Erkundungsverhalten während Spielsequenzen wirken sich positiv auf neuronale Verschaltungen aus. Baarendse et al., 2013; Vanderschuren & Trezza, 2014

Spielen kann Tieren helfen, kurzfristig mit Stress zurechtzukommen und verbessert langfristig die Stressresistenz (z.B. Arelis, 2006; Bateson, 2014; Held und Špinka, 2011; Norscia und Palagi, 2011).

Studien an Erdhörnchen unterstützen die Hypothese, dass Spielverhalten zu besseren Copingmechanismen in Bezug auf Stress und Unwohlsein in unangenehmen Situationen / Umgebungen beitragen kann. (canis independicus)

Sollte es ausgerechnet bei Caniden, hochsozialen Lebewesen anders sein? Selbstredend folgt Spiel Bedingungen, logisch muss man es sensibel und empathisch begleiten und beobachten - aber es ist ein wichtiger Teil im Leben eines Lebewesens, den man nicht zu Tode reglementieren sollte.


Kann man Spielverhalten mit Artgenossen in Konkurrenz mit dem Spiel zwischen Mensch und Tier setzen? In meinem Dafürhalten nicht. Ich denke, das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe, die man so nicht vergleichen kann.



Beide Elemente sind in einem glücklichen, zufriedenen Alltag zu Hause. So sehr ich die Zeit und das Spiel mit meinem Vierbeiner genieße, so wichtig sind mir, ohne Abstriche zu machen, auch die Kontakte zu meinen Zweibeinern. Ich bin überzeugt, mein Hund sieht das genauso

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